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Jetzt ist die Jahreszeit gekommen, in der es am Morgen später hell und am Abend früh dunkel wird. Unser Körper spürt es, weil er anders als im Sommer schneller müde wird und unser Elan spürbar nachlässt. Es ist auch die Zeit, in der wir – nicht nur Corona-bedingt – viel mehr Zeit drinnen verbringen. Für viele Menschen ist dies eine herausfordernde Zeit. Wie geht es Dir damit?

Früher, als unsere Vorfahren noch im Einklang mit der Natur und den natürlichen Zyklen des Jahres lebten, war dies eine Zeit, in der man allmählich zur Ruhe kam und das Jahr Revue passieren ließ. Menschen sprachen über die Knospenpracht des Frühlings, der mit seinen Farben alles Grau des letzten Winters auslöschte, den Tatendrang, der wie die Knospen selbst plötzlich explodierte, den warmen und aktiven Sommer, in dem die neue Saat aufging und herrliche Früchte wuchsen, in dem es neben der Arbeit auch wunderschöne laue Sommernächte gab und schließlich den Herbst, in dem die Ernte eingefahren wurde. Manche Jahre waren reich und satt, andere eher von Entbehrungen gekennzeichnet. Alle schenkten ausnahmslos viele Erfahrungen.

Der Spätherbst und der herannahende Winter waren auch Zeiten, in der Menschen sich trafen und sich gegenseitig Geschichten erzählten. Sie genossen die Gemeinschaft und ihr Beisammensein.

Heute, in einer Zeit des elektrischen Lichts und einer ganzjährigen Geschäftigkeit, vergessen wir Menschen die Traditionen unserer Vorfahren oft. Wir leben schon lange nicht mehr im Einklang mit den Rhythmen der Natur.

Und dennoch: Ich lade Dich ein, Dich gerade am Ende dieses so ungewöhnlichen Jahres daran zu erinnern, was Dir die vergangenen zehneinhalb Monate geschenkt haben – im Guten wie im Herausfordernden. Wie bist Du durch dieses Jahr gekommen? Was hast Du erlebt und über Dich gelernt? Und lebst Du inzwischen das, was Dir im Inneren wichtig und heilig ist?

Jetzt ist die Zeit der Einkehr. Die Zeit des in-die-eigenen-Tiefen-Hinabsteigens. Hier können wir spüren, wie es uns wirklich geht. Hier begegnen wir uns selbst. Wir nehmen wahr, welche Wunde noch geheilt werden muss. Was es loszulassen gilt. Und wem zu verzeihen. Welche Sehnsüchte in uns schlummern, die ins Leben gebracht werden wollen.

Auf diesem Boden wächst ganz in der Tiefe und im Unsichtbaren ganz allmählich und in seinem Tempo ein neuer Keim. Wenn dieser Keim im nächsten Frühjahr das Licht der Welt erblickt, wirst Du sehen, welche Qualität er haben wird. Den Boden dafür hast Du selbst bestellt.

Ich wünsche Dir in diesem Sinne eine fruchtbare innere Zeit. Schenke Dir be-sinnliche Momente. Und erinnere Dich daran, dass alles Neue aus der dunklen Tiefe entsteht. Per aspera ad astra.

© 2021 Heike Hildesheim